Idar-Oberstein,
18
Juni
2026
|
15:50
Europe/Amsterdam

Flügel, Funk und Fernweh

Zusammenfassung
  • OIE unterstützt Beringung junger Störche
  • Vom Nest in die App – Storchenreise zum Mitverfolgen
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Wenn in den frühen Morgenstunden im Frühsommer die ersten Flügel schlagen und sich die jungen Störche vorsichtig am Nestrand recken, beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt – und dank moderner Technik zugleich ein Abenteuer, das weit über die Region hinaus sichtbar wird. Genau hier setzt das Engagement der OIE an, die die Beringung der Jungstörche unterstützt und damit Naturschutz, Forschung und gelebte Gemeinschaft auf besondere Weise verbindet. Mit Hilfe des Energieunternehmens wurden in diesem Jahr acht Jungstörche in Hahnweiler, Hoppstädten-Weiersbach und Rimsberg gekennzeichnet.

Mit einem Hubsteigers konnten die Tiere sicher erreicht werden – eine anspruchsvolle Aufgabe, die viel Erfahrung erfordert. Martina Kohls, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Vogelwarte Radolfzell, führte die Beringung mit ruhiger Hand durch. Zunächst prüfte sie behutsam den Gesundheitszustand der Jungtiere, bevor diese mit individuellen Kennringen ausgestattet wurden. Ergänzend erhielten die Jungstörche aus Hahnweiler und Hoppstädten-Weiersbach kleine GPS-Sender, die künftig wertvolle Daten über ihr Leben sammeln. „Für mich ist es jedes Mal etwas Besonderes, die Jungstörche aus nächster Nähe zu sehen. Man spürt, wie wichtig diese Arbeit für den Schutz der Tiere ist. Mit der Beringung und den Sendern können wir ihren Weg begleiten und gleichzeitig dazu beitragen, dass wir sie künftig noch besser schützen“, erzählt Kohls.

Eine besondere Rolle spielt dabei auch die Einbindung der Menschen aus der Region: Die sechs Jungstörche tragen die Namen Skye, Avi, Cleo, Sunny, Yuki und Minna – ausgewählt von der OIE Community auf Facebook und Instagram. Zahlreiche Vorschläge gingen ein, aus denen schließlich die Favoriten hervorgingen. So haben die Tiere nicht nur eine individuelle Kennzeichnung, sondern auch eine ganz persönliche Verbindung zur Region.

Die Kombination aus klassischer Beringung und moderner Technik eröffnet neue Möglichkeiten für Wissenschaft und Öffentlichkeit gleichermaßen. Die Ringe sorgen dafür, dass jeder Vogel eindeutig identifiziert werden kann und liefern wichtige Erkenntnisse über Zugrouten, Brutgebiete und Überlebensraten. Die zusätzlichen Sender gehen noch einen Schritt weiter: Sie dokumentieren Flugrouten, Rastplätze und potenzielle Gefahren entlang der oft tausende Kilometer langen Reisen. Gleichzeitig wird Forschung erlebbar, denn über die App „Animal Tracker“ lassen sich die Bewegungen der Tiere nahezu in Echtzeit verfolgen – eine Möglichkeit, die Einblicke in Tierwanderungen auf der ganzen Welt ermöglicht.

Noch zeigt sich jedoch, dass die Technik nicht überall reibungslos funktioniert. Die Sender funken über das Sigfox-Netz, das insbesondere in ländlichen Regionen wie dem Kreis Birkenfeld noch Lücken aufweist. Dadurch kann es vorkommen, dass einige der Jungstörche zunächst noch nicht oder nur verzögert in der App erscheinen. Erst wenn sie ihre ersten größeren Strecken zurücklegen, werden ihre Daten zuverlässig sichtbar. Umso erfreulicher ist es, dass trotz dieser Voraussetzungen bereits mehrere Hahnweiler Jungstörche den Sprung in die digitale Karte geschafft haben. Derzeit sind sie dort zunächst über ihre Sendernummern auffindbar, doch mit Abschluss der Beringung werden auch Namen, Ringnummern und weitere Details ergänzt.

Parallel dazu zeigt sich in den Nestern der Region eine insgesamt positive Entwicklung. In Hahnweiler hat sich ein Storchenpaar erst 2024 auf einem Strommast angesiedelt. Nach einem Jahr mit nur einem überlebenden Jungtier wachsen dort aktuell gleich vier Küken heran. Auch in Hoppstädten-Weiersbach gibt es seit 2024 wieder Nachwuchs, wobei sich die Zusammensetzung des Brutpaares zuletzt verändert hat. In Rimsberg wiederum hat ein neues, unberingtes Paar ein im vergangenen Jahr errichtetes Nest übernommen – ein Zeichen für die Dynamik und Ausbreitung der Storchenpopulation.

Dass sich die Tiere gerade Strommasten als Nistplätze aussuchen, ist dabei kein Zufall. Die erhöhten Standorte bieten ideale Voraussetzungen mit freien Anflugschneisen, Schutz vor Feinden und guter Übersicht über die Umgebung. Gleichzeitig erfordert diese Nähe zur Infrastruktur ein sensibles Zusammenspiel zwischen Naturschutz, Technik und regionalem Engagement.

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